|
Der Weg
ist das Ziel: Mit Hilfe von Koordinatenangaben begeben sich Geocacher
auf Schatzsuche.
Die
Polizei ermittelt gegen einen Freizeit-Schatzsucher, der einen
Bombenalarm auslöste
von Eva
Dorothée Schmid
Blöder
geht es nicht", sagt Thomas Mönkemeier über den sogenannten Geocacher,
der mit einer Dose mit Drähten am späten Mittwochnachmittag am Bahnhof
Lichtenberg für einen Polizeieinsatz gesorgt hat. Rund 30 Beamte waren
beteiligt. Die Dose mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern, die von
einer Streife entdeckt und für eine Bombe gehalten wurde, in der aber
lediglich ein Logbuch, eine Platine und zwei Knopfzellen lagen, wurde
mit einem Wassergewehr aufgesprengt. Eineinhalb Stunden lang mussten
drei Fern- und Regionalbahngleise sowie zwei Fahrbahnen der Frankfurter
Allee gesperrt werden.
Thomas Mönkemeier ist selbst Geocacher. So nennen sich Leute, die mit
GPS-Empfängern auf eine Art Schatzsuche gehen. Der 41-jährige Berliner
betreibt im Internet mit dem Geoclub eine große Geocaching-Community.
Dort tauschen sich 18 000 Anhänger der satellitengestützten Schatzsuche
aus. Im Forum gibt es viel Kritik für den Geocacher, der unter dem Namen
HeU1 seinen Schatz bei geocaching.com eingestellt und ausgerechnet unter
einer viel befahrenen Brücke versteckt hat. "Ich hoffe, der wird
ermittelt und empfindlich zur Kasse gebeten, am besten noch ein paar
Stunden in einer sozialen Einrichtung obendrauf", schreibt ein Nutzer.
Gedankenlos versteckt
HeU1 hat gegen die Richtlinien der Geocacher-Gemeinde verstoßen, wonach
die kleinen Schätze nicht in der Nähe von Bahnanlagen, unter Brücken
oder auf Flughäfen versteckt werden sollen, weil sie dort für Bomben
gehalten werden könnten. Außerdem sollten möglichst nur kleine,
durchsichtige Filmdosen verwendet werden, die deutlich als "Geo-
cache" gekennzeichnet sind, wie Mönkemeier sagt. Es gebe in Deutschland
zehn, zwölf Ehrenamtliche, die für die Seite geocaching.com alle neuen
Schätze begutachteten und jene nicht freigeben, die gegen Regeln
verstoßen. "Allerdings war bei dem in Lichtenberg die Beschreibung so,
dass man nicht merkte, dass das an einer Brücke ist", sagt Mönkemeier.
"Der hat all das gemacht, was man nicht tun soll."
Das sieht auch die Polizei so. Man habe Anzeige wegen Störung des
öffentlichen Friedens sowie wegen Belästigung der Allgemeinheit
erstattet, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Donnerstag. Sollte
derjenige ermittelt werden, der die Dose versteckt hat, dann drohen ihm
Kosten von mehreren zehntausend Euro. "Wir werden auf die Bezahlung
unseres Einsatzes nicht verzichten", so der Polizeisprecher. Auch die
Bahn könnte die Kosten für die Sperrung des Zugverkehrs sowie die
Räumung des Bahnhofs in Rechnung stellen. Allerdings rechnet sich die
Polizei keine großen Chancen aus, den Geocacher zu finden.
Der Polizeisprecher konnte sich an einen ähnlichen Fall 2008 am
Hardenbergplatz erinnern. Dort war einem Passanten eine Dose am Gehweg
aufgefallen, er informierte die Polizei, die das Areal weiträumig
absperrte. Nachdem es im September am Karlsruher Hauptbahnhof und an
einem S-Bahnhof in Hannover Polizeieinsätze wegen Geocachern gab, warnte
die Bundespolizei in einer Mitteilung vor "konspirativem
Spielverhalten". Sie forderte die Geocaching-Teilnehmer auf, Schätze
nicht an sicherheitsrelevanten Orten wie Bahnhöfen, in Innenstädten und
Fußgängerzonen zu verstecken. Außerdem empfahl sie eine auffällige
Kennzeichnung der Behälter, damit diese identifiziert werden können.
"In Berlin gibt es die Tendenz, merkwürdige Dinge zu tun", sagt
Mönkemeier. Meist seien es Geocaching-Neulinge, die Verstecke unbedacht
auswählten. Zudem gebe es in der Hauptstadt schon so viele Caches, dass
es wegen des vorgeschriebenen Abstands von 160 Metern zu anderen schwer
sei, überhaupt noch einen Platz zu finden. Er selbst wollte mal einen
Schatz im Bahnhof Oldenburg verstecken. "Den habe ich vorher der
Bundespolizei gezeigt und gefragt, ob man das so machen kann." Auch
Wachschützer am Brandenburger Tor wüssten über einen dort versteckten
Cache Bescheid. (mit ls.)
Schatzsuche per Satellitenpeilung
Geocaching kommt aus den USA. Seit Mai 2000 kann jeder GPS-Daten
nutzen, damals versteckte Dave Ulmer in einem Wald bei Portland den
ersten Schatz, genannt Cache. Daraus entwickelte sich ein Spiel, bei dem
per Satellitenortung versteckte Dosen gesucht werden.
Die Koordinaten der Caches ("geheimes Lager") werden mit
Hinweisen im Internet veröffentlicht, vor allem unter
www.geocaching.com
und
http://www.opencaching.de.
Wer den Schatz mit Hilfe eines GPS-Empfängers findet, trägt sich in das
darin liegende Logbuch ein und legt ihn wieder zurück. Es geht vor allem
um das Finden und darum, anderen interessante Orte zu zeigen.
Knapp eine Million Geocaches sind weltweit versteckt, in
Deutschland sind es 118.000, in Berlin fast 2900. Zehntausende gehen dem
Hobby bundesweit nach. Der harte Kern der Berliner Szene umfasst rund
120 Personen. Es gehen aber auch viele Touristen hier auf Schatzsuche.
Berliner
Zeitung, 04.12.2009 |